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Das grüne Rückgrat

Der Standeswald ist ein unverzichtbares Charakterelement der Kulturlandschaft. Wie ein grünes Rückgrat stützt die Besiedelung im Tal.
Das grüne Rückgrat

Tannen-Fichtenwald im Relstal

Der Montafoner Standeswald ist ein multifunktionaler Lebensraum und ein unverzichtbares Charakterelement unserer Kulturlandschaft. Wie ein Rückgrat stützt und ermöglicht der Wald erst das Leben im Tal. Der Schutz vor Naturgefahren ist die bedeutendste Funktion des Waldes im Montafon. Die Katastrophenjahre 1999 und 2005 mit Lawinen, Rutschungen und  Hochwasserschäden haben diese Funktion des Bergwaldes eindrücklich aufgezeigt. Auch wenn der Schutzwald keinen hundertprozentigen Schutz bieten kann, so stellt ein bewirtschafteter und stabiler Wald die effizienteste Strategie zur Verminderung von Naturgefahren und ihrer Schäden dar. Der Wald bietet Schutz und braucht Schutz.

 

Schutzfunktion

Im Montafon bedrohen Naturgefahren seit jeher den menschlichen Kultur- und Naturraum. Der Wald schützt diesen vor Lawinen, Steinschlag, Hangrutschungen, Muren und Erosion. Er bildet die Voraussetzung für die Besiedelung und wirtschaftliche Nutzung des Tales. Wald schützt dabei sowohl den Standort auf dem er wächst (Standort-Schutzwald) als auch Siedlungen und infrastrukturelle Einrichtungen (Objekt-Schutzwald).

Wie im Bergwaldprotokoll der Alpenschutzkonvention treffend formuliert, stellt der Bergwald den effektivsten, kostengünstigsten und landschaftsverträglichsten Schutz gegen alpine Naturgefahren dar. Ohne Bergwald könnten wir uns eine Besiedelung der Täler in den Alpen auf Grund der allerorts notwendigen technischen Schutzmaßnahmen nicht leisten.

Die Schutzfunktion des Waldes gegen Lawinen beruht insbesondere darauf, dass er das Anbrechen von Lawinen im Wald verhindert. Die stabilisierende Wirkung des Waldes auf die Schneedecke und damit gegen Lawinenabbrüche beruht auf verschiedenen Eigenarten des Waldes, die es im Freiland nicht gibt. Dazu zählen unter anderem Schneeinterzeption, Strahlungshaushalt, Wind und Stützwirkung der Stämme.

Ob ein Wald gegen Steinschlag wirksam schützen kann, hängt vor allem von dessen Dichte (Anzahl der Bäume pro Hektar) und der Dicke der Bäume (Baumdurchmesser in Brusthöhe) ab. Die Schutztauglichkeit kann man anhand der baumfreien Strecke beurteilen. Darunter versteht man jene Strecke, die ein Stein durchschnittlich zwischen zwei „Baumtreffern“ zurücklegt. Sie sollte nicht mehr als 40 m betragen, da der Stein sonst wieder zuviel Bewegungsenergie aufbaut und sein Sturz nicht wirksam abgebremst werden kann.

Meistens bleiben uns jene Katastrophenereignisse in Erinnerung, wo die Wirksamkeit des Waldes nicht ausgereicht hat, um Rutschungen, Lawinen und Felsstürze zu verhindern. Jene Fälle, in welchen aufgrund der Schutzwirksamkeit des Waldes nichts passiert ist, sind schlichtweg nicht sichtbar, da wir die Bewaldung als naturgegeben wahrnehmen und voraussetzen.

 
Der Wald als Steinschlagnetz; hier im Oberen Gatmatsch in Vandans

 

Nutzfunktion

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der als Bau-, Werk- und Brennstoff verwendet wird. Im vorletzten Jahrhundert war Holz – wie heute Erdöl – der Treibstoff des Wirtschaftswachstums. Diese enorme Bedeutung hat der heimische Rohstoff Holz zwar verloren, aber seine Beliebtheit im Möbel- und Hausbau und neuerdings auch wieder als klimafreundlicher Brennstoff hat stark zugenommen. Der Wald liefert aber nicht nur Holz. In früherer Zeit nutzte man den Wald im Montafon auch weitflächig als Weideland.

Der Holzvorrat ist das Kapital des Forstfonds. Im Standeswald stocken rund 3 Millionen Festmeter (fm) Holzvorrat. Mit dieser Holzmenge könnte man einen Güterzug beladen, der von Schruns bis nach Wien reicht. Jährlich wachsen durchschnittlich 4,6 fm Holz pro Jahr und Hektar zu. Das entspricht einem täglichen Holzzuwachs im Standeswald von 5 LKW-Fuhren.
 
Einschlagsentwicklung im Standeswald 1950 bis 2006
Die Entwicklung des Gesamteinschlages seit 1951 zeigt bis Anfang der 1990er Jahre eine stetige Abnahme, durchschnittlich um ca. 150 Ernte-Festmeter pro Jahr (siehe Abb. 8). Bis zum Jahr 1990 waren nur wenige Bereiche des Standeswaldes mit Forstwegen erschlossen. Der jährlich genehmigte Hiebsatz wurde aber zum Großteil in den erschlossenen Waldbereichen getätigt, was mancherorts zur Übernutzung führte. Die nicht erschlossenen Waldgebiete wurden forstlich kaum genutzt und immer mehr vernachlässigt. Im Jahr 1990 fielen dem Orkan „Vivian“ im Standeswald mehr als 18.000 fm Holz zum Opfer, was zu einem Spitzeneinschlag in diesem Jahr geführt hat.

Die Holzproduktion im Standeswald bringt neben dem direkten Nutzen für den Forstfonds auch einen großen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung mit sich. Angefangen von den heimischen Transportunternehmen und Baufirmen profitieren Schlägerungs- und Holzakkordanten von Aufträgen des Forstfonds. In den letzten 20 Jahren wurden auch im Forstbetrieb mehr als 20 Arbeitsplätze neu geschaffen. Zusätzlich werden Forstfacharbeiter-Lehrlinge ausgebildet. Mit den zur Aufarbeitung und Bringung benötigten Holzakkordanten und den bei diversen Baufirmen beim Wegebau eingesetzten Personen werden durch den Forstbetrieb Stand Montafon rund 50 Arbeitsplätze gesichert.

Nutzfunktion des Waldes
Nutzfunktion des Waldes

 

Wohlfahrtsfunktion

Die Sicherung von qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Wasserreserven, die Filterleistung für Schadstoffe, Staub und Gase und die Bindung von klimarelevantem CO2 sind wichtige Wohlfahrtsfunktionen des Waldes. Wald wirkt ausgleichend und stabilisierend auf den Wasserhaushalt. Der Wald sorgt dafür, dass aufgrund seiner Überschirmung geringere Schneeansammlungen anfallen und die Schneeschmelze im Frühjahr verzögert abläuft.

Die Wohlfahrtsfunktionen des Standeswaldes sind allgegenwärtig und werden als selbstverständlich wahrgenommen. Eine monetäre Quantifizierung der Wohlfahrtswirkungen ist schwer möglich. Viele dieser Funktionen haben zwar einen hohen Wert, aber noch keinen Markt.

Um nur eine Auswirkung der Wohlfahrtsfunktion zu veranschaulichen, soll die Bedeutung des Standeswaldes für die Trinkwasserversorgung in der Talschaft näher erläutert werden. Im Rahmen der letzten Waldinventur wurden auf über 42% der Standeswaldfläche Quellen, kleine Bachläufe, stehende Gewässer oder auch kleine Moore registriert. Die Gesamtzahl der Quellen im Standeswald ist zwar nicht ganz genau bekannt, insgesamt sind aber 112 Wassernutzungsrechte zur Trinkwasserversorgung und Energiegewinnung beim Forstfonds aktenkundig. Zahlreiche kleinere Wassergenossenschaften und Privatpersonen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Standeswald. Insbesondere die Gemeindewasser-Versorgungen von St. Gallenkirch und Gaschurn werden zum Großteil aus Standesquellen gespeist.


Quelle im Standeswald

 

Erholungsfunktion

Einheimische und Gäste nutzen den Wald im Montafon für ihre Erholung und vielfältige sportliche Aktivitäten. Die Nutzung des Waldes für diese Zwecke hat in den letzten Jahren stark zugenommen und belastet örtlich den Lebensraum Wald. Der Tourismus ist eine bedeutende Einkommensquelle im Montafon. Die schöne Landschaft mit Alpen, Wäldern, Seen und Bergen lockt jährlich mehrere hunderttausend Erholungssuchende ins Montafon.

Im Standeswald sind über 140 km Wanderwege markiert und ausgeschildert. Rund 45 km Forst- und Güterwege können forstbetrieblich problemlos als Mountainbikerouten mitbenutzt werden. Aus Naturschutzgründen kann jedoch nicht jede Weganlage für Radfahrer freigegeben werden, da dies mit dem Schutz  von sensiblen, störungsanfälligen Tierarten nicht vereinbar ist. Bei Holzschlägerungs- und Holzbringungsarbeiten im Wald müssen Weganlagen während der Dauer der Arbeiten aus Sicherheitsgründen für Waldbesucher gesperrt werden.

Für die Errichtung von Schipisten und Lifttrassen wurden ca. 60 Hektar Wald des Standes Montafon gerodet. Bei guten Schneeverhältnissen werden auch angrenzende Waldbeständen durch Variantenschifahrer befahren, was vielerorts zu Schäden am Jungwald und zu Störungen wildlebender Tiere führt. Im Rahmen von Kampagnen werden daher Gäste und Einheimische informiert, wie man sich im Wald naturverträglich verhalten und damit den gemeinsamen Lebensraum schützen und respektieren kann.

In der vom Stand Montafon betreuten „Waldschule Montafon“ werden Jung und Alt über den Lebensraum Wald in vielen Facetten informiert. Im Vordergrund steht das spielerische Lernen und Erfahren der natürlichen Zusammenhänge in der Natur. Neben dem Naturerlebnis soll aber auch das richtige Verhalten im Wald vermittelt werden. Nur wer den Wald schätzt, weiß auch auf die vielen anderen Lebewesen im Wald Rücksicht zu nehmen.


In der Waldschule Montafon wird auch das richtige Verhalten im Wald vermittelt

 

Lebensraumfunktion

Mit der Novellierung des Forstgesetzes 1975 im Jahr 2002 wurde die Lebensraumfunktion des Waldes gesetzlich verankert. Damit berücksichtigt das österreichische Forstgesetz den Wald auch als unverzichtbaren Lebensraum für wildlebende Tierarten und Pflanzen. Im Ökosystem Wald stehen sämtliche Lebewesen untereinander und mit ihrer Umwelt in Beziehung. Diese Wechselbeziehungen, Abhängigkeiten und Zusammenhänge sind bei Bewirtschaftungsentscheidungen zu berücksichtigen.

Als größter kommunaler Waldbesitzer und Waldbewirtschafter in Vorarlberg hat der Stand Montafon – Forstfonds damit neben seiner wirtschaftlichen Rolle auch eine hohe Verantwortung für den Schutz und Erhalt der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Dieser Verantwortung wird bei den Bewirtschaftungsentscheidungen im Wald Rechnung getragen. Der Forstfonds bekennt sich nicht nur zu Schutzgebieten, sondern auch zu einer naturnahen, kleinflächigen Waldbewirtschaftung auf der gesamten Waldfläche.

Der Standeswald hat viele einzigartige Waldbiotope, in welchen auf die forstliche Bewirtschaftung entweder ganz verzichtet wird oder aus Naturschutzgründen bestimmte Maßnahmen unterlassen werden. Dazu zählen beispielsweise Naturwaldreservate und Natura2000-Gebiete. Reservate sind aber nur auf jenen Waldflächen möglich, wo keine Schutz- oder Bannfunktion zu erfüllen ist.


Der Wald als Lebensraum

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