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Überflüssige Feiertage?

Die Regelung von Feiertagen war immer schon umstritten, wie einige Dokumente im Montafon Archiv belegen.
Überflüssige Feiertage?

Prozession in Gaschurn, 1909

Feiertage begleiten das gesellschaftliche Leben seit jeher und kulturübergreifend, sie sind aus dem öffentlichen und privaten Miteinander kaum wegzudenken und spielen eine große Rolle hinsichtlich der kulturellen Identitätsstiftung – auch in einer säkularisierten, modernen Gesellschaft. Einmal abgesehen von scherzhaften Bemerkungen z.B. über die „katholischen Bayern“, die an Allerheiligen im deutschen (protestantischen) Nachbarbundesland zum Einkaufen „einfallen“, sind Feiertage daher auch immer wieder Anlass für teils heftige Diskussionen, das zeigen auch jüngst die Debatten um den Karfreitag in Österreich.

Auch vergangene Jahrhunderte bildeten in dieser Hinsicht keine Ausnahme: 1773 setzte ein kaiserliches Dekret einen Schlussstrich unter zahlreiche Feiertage, 26 Stück an der Zahl. Übrig blieben aber weiterhin ein gutes Dutzend, was verdeutlicht, welche Fülle an christlichen Feiertagen das gesellschaftliche Leben der damaligen Bevölkerung prägte. In der Tat vermittelt dies fast den Eindruck „römischer Verhältnisse“, denn der Kalender im antiken, polytheistischen Rom war voll von Feiertagen.

Die folgende Liste an Feiertagen in Gaschurn vor 1773 (zusätzlich zu Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt & Fronleichnam und Pfingsten) illustriert diese Fülle eindrücklich:[1]

1. Jänner: Neujahr
6. Jänner: Heilige drei Könige
20. Jänner: St. Sebastian
2. Februar: Maria Lichtmess
24. Februar: St. Mathias, Apostel
19. März: St. Joseph
25. April: Mariä Verkündigung und Markus (Evangelist)
1. Mai: Apostel Philip
3. Mai: Kreuz Erfindung
2. Juli: Mariä Heimsuchung
22. Juli: Maria Magdalena
25. Juli: Apostel Jakobus
26. Juli: Anna, Großmutter Christi
5. August: Weihefest Maria Schnee, Gaschurn
10. August: Laurentius
15. August: Mariä Himmelfahrt
24. August: St. Bartholomäus, Apostel
6. Sept.: St. Magnus, Papst
8. Sept.: Maria Geburt
21. Sept.: St. Mathäus, Apostel
29. Sept.: Erzengel Michael
28. Okt.: Apostel Simon und Judas
11. Nov.: St. Martin
17. Nov.: St. Florian (2. Patron von Chur)
21. Nov.: Mariä Verklärung
25. Nov.: St. Katharina
30. Nov.: St. Andreas, Apostel
3. Dez.: St. Luzius (erster Patron von Chur)
8. Dez.: Mariä Empfängnis
21. Dez.: St. Thomas, Apostel
27. Dez.: Johannes, Evangelist

Auch hier gilt wohl „Des einen Freud ist des anderen Leid…“. Was im antiken Rom beispielsweise von Gegnern in Gerichtsprozessen (die an Feiertagen selbstredend untersagt waren) geschickt zu ihrem Vorteil genutzt wurde, war einem Landwirt im Montafon vielleicht eine Last, da die Arbeit pressierte. Jedenfalls wissen wir immer wieder von Ermahnungen Geistlicher und gerichtlichen Verordnungen, am Feiertage auch wirklich zu ruhen.[2] Anders an der Wende zum 18. Jahrhundert: Ein Dokument der Gerichtskanzlei Schruns vom 20. Mai 1806 zeigt, dass einige Montafoner das Edikt von 1773 keineswegs ernst nahmen:

„Dessen ungeachtet seye selbst durch die Bischöfliche Curia die Anzeige gemacht worden, dass, obschon von Seiten der Geistlichkeit an Ermahnungen und Belehrungen nichts unterlassen werde, jedoch noch von dem Volke an vielen Orten die abgestellten Feiertäge mit Müßiggang und Schwelgerey zugebracht würden. Da die Schuld dieses allgemein schädlichen Unfuges zum Theile der Fahrlässigkeit der Ortsvorstehungen beigemessen wird, so sah sich das wohlbelobte Kreisamt bemüßigt, diese mit dem verantwortlich zu machen, dass diese den diesfällig ferneren Unbefolg der heilsamsten Höchsten Verordnungen anzeigen und auf zweckmäßige Bestrafung angetragen werde.[3]

Wie die „katholischen Bayern“ das Ganze dann kurze Zeit später regelten, als Vorarlberg für einige Jahre unter bayrische Herrschaft fiel, bleibt freilich Spekulationen überlassen, schon 1826 hatte Kaiser Franz I. jedenfalls wieder Neuerungen der Feiertage vorgenommen, die den heutigen nicht mehr allzu fern waren: Neben Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam waren es in Gaschurn am 6. Jänner die Heiligen Drei Könige, am 19. März der Josephstag, in der Bittwoche ein Feiertag mit Prozession, am 24. Juni eine Prozession nach Partenen wegen der Pest, Anfang Juli am St. Thomastag ein 10 stündiges Gebet, am 5. Juli St. Antoniustag mit Prozession nach Partenen wegen der Wassergefahr, am 15. August Mariä Himmelfahrt, am 1. November Allerheiligen, am 2. November Allerseelen und am 8. Dezember Mariä Empfängnis.[4]



[1] MA – ZKA Gaschurn, 11/0, 1985.

[2] z.B. MA – ZKA Gaschurn, 11/10, 1778, ein Schreiben des Vogteiverwalters, in dem beklagt wird, dass im „Thale Montafon der höchst ärgerliche Missbrauch [herrsche] an Sonn- und Feiertagen hin und wieder zu fahren und Vieh zu treiben und Bündel oder andere Sachen zu tragen, auch in den Maysessen zusammen zu schlieffen und alldorten Abendtänz zu halten […].

[3] MA – ZKA Gaschurn, 11/0, 1806 (Transkript).

[4] MA – ZKA Gaschurn, 11/0, 1985.

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Autorin: Sophie Röder

 

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