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Die ehemalige Säumerstation Zuggawald

Eine kurze Geschichte der Hofanlage "Zuggawald" zwischen St. Gallenkirch und Gargellen.
Die ehemalige Säumerstation Zuggawald

Zuggawald-Hus mit traditionellem Schraggazu (c) Friedrich Juen/Montafoner Museen

Die Hofanlage „Zuggawald“ am Weg zwischen Galgenul und Gargellen war einst eine bedeutende Station der Säumer an der Via Valtellina. Auf dieser historischen Handelsroute wurde zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert in erster Linie nach dem herbstlichen Schrunser Markt das Vieh aus dem Montafon nach Süden in den oberitalienischen Raum getrieben und auf dem umgekehrten Weg Wein aus dem südalpinen Raum (Veltlin) in den Bereich nördlich der Alpen transportiert.

Der Bludenzer Vogteiverwalter David Pappus berichtete im Jahr 1610, dass „ain gemaine landstraß und sämersteig“ von St. Gallenkirch nach Klosters führe. Das Schlappinerjoch bezeichnete er ausdrücklich als „ain hauptpaß zue Sommerzeiten ins Brettigeu und in Obern Bundt grad gegen Tafaas [Davos], darüber man mit geladnen rossen faren kann“.

Bis in die Zeit um 1800 haben sich im Montafon vor allem einheimische Säumer engagiert, von denen im 19. Jahrhundert die Marent, Schwarzhans und Vonier aus Schruns bekannt sind. Danach ging der Saumverkehr aber zuletzt ganz auf die Davoser über, unter denen Balthasar Müller der bedeutendste Säumer gewesen sei. Zwischen den Davosern und Montafonern erfolgte oft auch eine Arbeitsteilung. Wenn am Schlappinerjoch im Frühjahr nur die Prättigauer Sonnenseite schneefrei war, geschah dies auch in der Weise, dass die Bündner den Wein bloß bis zum Joch säumten. Dort konnten ihn die Gargellner mit Schlitten abholen. Ab Gargellen war es ab 1811 möglich, den Wein auch auf Karren nach Schruns zu befördern.

Das ursprüngliche Gehöft „Zuggawald“ setzte sich aus dem noch bestehenden geräumigen Haus und dem weiter taleinwärts befindlichen, großen Stall für die Saumrosse, der jedoch nur mehr in Teilen vorhanden ist, zusammen. Lediglich die gemauerte Steintreppe dieses Stalles konnte nämlich vor dem endgültigen Verfall gerettet werden und stellt bis in die Gegenwart ein beeindruckendes Monument der einstigen Größe des Säumerstalles dar.

Abb.: Ehemaliger Säumerstall, von dem nur mehr die gemauerte Stiege besteht (c) Friedrich Juen/Montafoner Museen

Das unter Denkmalschutz stehende Haus besitzt zudem einen mit Gewölben ausgestatteten Keller, in den eine Wendeltreppe aus Steinplatten hinabführt. Auf dem Brunnen vor dem Haus befinden sich die Jahreszahl 1602 sowie ein traditionelles Hauszeichen. Dendrochronologische Datierungen haben zudem ergeben, dass im Gebäudeinneren ältere Hölzer aus einem Vorgängerbau, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde, verbaut wurden. Auch die Jahreszahl 1590 auf einem Stubenwandbalken verweist auf diesen Befund. Das heute noch bestehende Gebäude wurde um 1612 in einer ersten Bauphase in dieser Form erstellt und um das Jahr 1732 schließlich nochmals erweitert und verbessert. Auch für die mittlerweile verfallene Stallscheune konnten dieselben Bauphasen eruiert werden.

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Autor: Michael Kasper

Erschienen in: Gmesblättli St. Gallenkirch. Information der Gemeinde St. Gallenkirch 37. Jg., 166. Ausgabe, Mai 2021, S. 8.

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