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Das Steinkreuz in Bartholomäberg

Was hat es mit dem Steinkreuz unterhalb der Pfarrkirche Bartholomäberg eigentlich auf sich?
Das Steinkreuz in Bartholomäberg

Das Steinkreuz am Bartholomäberg (c) Friedrich Juen

In Vorarlberg finden sich nur wenige derartige Steinkreuze wie jenes in Bartholomäberg. Drei Kreuze sind im Kleinen Walsertal (Gemeinde MIttelberg) zu finden, eines bei St. Martin in Ludesch. Beim Letztgenannten soll es sich um ein Pestkreuz handeln, während jene im Kleinen Walsertal und auch jenes in Bartholomäberg als Sühnkreuze bezeichnet werden.

Als Sühnekreuze werden Kreuze bezeichnet, die als Sühne für einen Totschlag oder einen Mord errichtet wurden. Es gibt daneben noch andere Erklärungsversuche: So werden manche Steinkreuze als Grenzzeichen oder Zentrum von früheren als Gerichtsstätten gedeutet.

Im Fall von Bartholomäberg ist das Alter des Kreuzes nicht bekannt und es sind keinerlei Inschriften (mehr) zu erkennen. Das Kreuz besteht aus einem stark verwitterten Konglomeratstein, ist etwa 45 cm hoch, 50cm breit und 18cm tief.

Zu seinem Ursprung liegt lediglich eine Sage vor:

"Wenn man von Schruns heraufkommt, steht im obersten Wegrand vor der Bartholomäbergkirche im hohen Gras ein Kreuz aus Granit. Das ist ein roh gemeißeltes Kreuz, noch nicht halb mannshoch, auf der linken Seite abgesunken und mit grauen Flechten auf dem Querbalken. Es hat aber keine Inschrift aus der Bibel und auch keinen Erinnerungsspruch an einen Verschütteten oder Erschlagenen. Auf was Art das gekommen ist, will ich dir jetzt sagen.
Einem jungen Berger hatte ein anderer, der reich und schlauer wart als er, die Braut weggestohlen.
Da verfluchte sie jener und schwor sich: 'Schaden, wo ich kann. Sie soll keine Kinder haben, aber die Krankheit im Haus und auf dem Gut das Unwetter.' Das fing er an mit Teufelskraft.
Er unterschrieb und versprach, kein Sakrament zu empfangen, in keine Kirche zu gehen und niemand Gutes zu tun. Das unterschrieb er mit dem eigenen Blut.
Und die Eheleute hatten Unsegen von einem Tag in den anderen.
Aber das Schadenstiften erleidete ihm selber, denn er sah eine, die ihm gefiel und die er heiraten wollte. Er ging weder zur Beichte noch zur Kommunion.
Nur zum Zusammengeben vor dem Altar mußte er die Kirche betreten. Dann kamen sie zurück, das Mädchen in der Brauttracht neben ihm.
Aber sie war noch mit einem Ringgenschuh innerhalb der Schwelle, da verschwand der Mann mit einem Tatsch. In die Erde oder wohin.
Der Teufel hatte ihn vom Fleck weg geholt, denn nach der Unterschrift war er verfallen.
Nur wo der Weg dicht unter der Kirche einen Rank nimmt, fand man eine beschmutzte und blutige Stelle, da setzten ihm die Berger, von denen überhaupt verschiedene mit dem Teufel im Bunde sein sollen, das Steinkreuz." (aus: Richard Beitl: Deutsche Volkskunde, Berlin 1933, S. 84f.)

Dokumente zu seiner Entstehung liegen leider nicht vor und so bleiben der Ursprung und das Alter des Kreuzes im Dunkeln.

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Autor: Michael Kasper

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